Die
Zusammensetzung des Wassers des Sees wurde bereits
Ende des 18. Jahrhunderts untersucht, aber zu einer
genaueren Analyse ist es erst in der zweiten Hälfte
unseres Jahrhunderts gekommen.
Auf die von der Natur gegebenen Heilmethoden ist der
Mensch schon vor Jahrhunderten aufmerksam geworden
und hat diese auch angewandt. In unserer Heimat wurde
das Wasser unserer Heilquellen schon im Mittelalter
wissentlich genutzt. In unseren Tagen ist es eine weltweite
Erscheinung, dass sich Arzt und Patient wieder den
natürlichen Heilmethoden zuwenden.
Das Wesentliche der Hévízer Heilkur ist, dass für
die Patienten das heilende Baden den gesammelten wissenschaftlichen
Erkenntnissen, der ärztlichen Praxis von vielen Jahrzehnten,
gar Jahrhunderten entsprechend "dosiert" wird.
Die besondere Eigenschaft der Hévízer Kur ist das Heilbaden
unter freiem Himmel, im lauwarmen-warmen Wasser des
großflächigen natürlichen Sees.
Die Wirkung der Hévízer Kur ist komplex, wenn der Temperatur
des Wassers, seiner chemischen Zusammensetzung, dem
Schlamm, der Luft, der radioaktiven Strahlung, dem
Klima eine genau bestimmte Rolle zukommen.
Die Dauer der Hévízer Kur beträgt 2-3 Wochen.
Die
Heilwirkung der Hévízer Kur erstreckt sich auf den
breiten Bereich der Erkrankungen der Bewegungsorgane.
Im weitesten Sinne reagieren rheumatische Erkrankungen
- mit Ausnahme des akuten Entzündungsabschnitts - sehr
gut auf das Heilbaden in Hévíz.
Die infolge der Bewegungsarmut entstandene Gelenkschädigung
ist eine Erscheinung der Zivilisation, bei der die
Heilbadkur in Hévíz ebenfalls hilft.
Die Fälle von Bandscheibenbeschwerden und Bandscheibenvorfall
erfordern eine komplexe Behandlung mit Bädern, Physiotherapie,
Massagen, Heilgymnastik usw., auf deren Wirkung hin
in den meisten Fällen ein operativer Eingriff vermieden
werden kann. Im Aufbau der Knorpel spielen die Schwefelverbindungen
eine bedeutende Rolle. Gewiss spielt es eine Rolle,
dass die günstige Wirkung schwefelhaltiger Heilbäder
auf Gelenkbeschwerden seit Jahrhunderten bekannt ist.
Die muskellockernde Wirkung der Hévízer Warmwasser-,
Schwefel- und radioaktiven Bäder kommt auch gegen die
Schmerzen angespannter, verkrampfter Muskeln ausgezeichnet
zur Geltung.
Die
entspannende,
entzündungsverringernde und schmerzlindernde
Wirkung der Hévízer Badekur hat seit langem in den
meisten Fällen von Ischias-Erkrankungen Erfolg, seit
dem Einführen des Gewichtsbades haben sich die Heilerfolge
bedeutend verbessert.
Die entzündungsverringernde und
schmerzlindernde Wirkung kommt auch bei anderen chronischen
Nervenentzündungen und Sehnenscheidenentzündungen gut
zur Geltung, bei der Behandlung von Venenkreislaufstörungen
der Beine gesellt sich zu den vorherigen Wirkungen
auch noch die bekannte hydrostatische Wirkung des Gewichts
des Wassers. Das Hévízer Bad ist natürlich nicht nur
zur Behandlung rheumatischer Erkrankungen der Bewegungsorgane
geeignet, sondern auch zur Heilung von nach Verletzungen,
Unfällen zurückgebliebener schmerzhafter Bewegungseinschränkung.
Der
Erfolg der Hévízer Badekur zeigt sich nicht nur in
der Linderung von momentan aktuellen Beschwerden, sondern
in vielen Fällen kann auch dem Wiederauftreten der
Schmerzen vorgebeugt werden, für lange Zeit. Viele
Rheumakranke leiden von Jahr zu Jahr in der kühlen
Herbst-Winterzeit an akuten Schmerzen. Ein großer Teil
von ihnen übersteht den Winter nach einer Hévízer Badekur
beschwerdefrei oder mit nur leichten Beschwerden. Die
Hévízer Badekur ist hauptsachlich bei der Badebehandlung
von Erkrankungen der Bewegungsorgane erfolgreich, der
Schwefelgehalt des Heilwassers hat jedoch auch gegen
einzelne Hauterkrankungen eine vorteilhafte Wirkung.
Neben dem Baden im Hévízer See wenden die Ärzte im
Interesse der vollkommeneren Ausnutzung der Heilwirkung
des Wassers auch viele andere Formen der Heilbehandlung
an.
Eine
der bekanntesten Methoden der im Bad durchführbaren
Behandlungen ist das Gewichtsbad, das 1953 von Dr.
MOLL Károly sen. in Hévíz eingeführt worden ist. Die
Behandlung erfolgt der Art, dass der Patient am Hals
aufgehängt und mit den Armen bzw. den Achseln abgestützt
im Wasser hangt und um seine Hüfte oder seine Fußknöchel
mit Hilfe eines Gürtels ein Gewicht angehängt wird,
das von 2-20 kg erhöht werden kann. Zweck der Heilmethode
ist, dass es durch das Entfernen der Wirbel voneinander
- durch den Auftrieb des Wassers in lindernder Form
-, gewissermaßen durch das Dehnen der Wirbelsäule ermöglicht
wird, dass sich der Bandscheibenbruch, der die aus
dem Rückenmark heraustretenden Nerven unter Druck hält,
zurückzieht. Zahlreiche Erfolge belegen, dass die Bandscheibe
durch das Auseinanderziehen der Wirbel in seine ursprüngliche
Position zurückgerutscht ist.
Die
Schlammbehandlung ist eine regelmäßige Ergänzung der
Balneotherapie, aber sie ist auch ein eigenständiges
Heilverfahren. Mit keiner anderen Methode kann diese
tief wirkende Durchblutung und Durchwärmung erreicht
werden, als mit dem Schlamm. Wo es rheumatische Schmerzen
oder Veränderungen gibt, dort werden immer der Kreislauf
der Haargefäße (Kapillaren) verletzt, wegen der relativen
Gefäßverengung sammeln sich Schlacken an, verstärkt
sich der Schmerz, verringert sich die Funktion. Die
Durchblutung tief im Gewebe löst dieses Problem. Die
Wirkung des Schlamms ähnelt der des Wassers, sie ist
jedoch intensiver. Das Wesentliche der Heilwirkung
scheint in den aus großen Molekülen bestehenden organischen
Materialien zu liegen.
Die
Mechanotherapie ist eine der ältesten Heilmethoden
der Menschheit. Sie stellt einen Teil der komplexen
Kur eines jeden Badeortes dar, gleichzeitig ist sie
jedoch auch eine eigenständige Heilmethode. Unter Massage
verstehen wir die auf die Körperoberfläche ausgeübte
mechanische Heilmethode, die auf die unter der Haut
befindlichen Gewebe, vor allem auf die Muskulatur wirkt,
gleichzeitig beeinflusst sie - da sie zusammengesetzte
Reaktionen hervorruft - die Funktion des Organismus'
auch langfristig vorteilhaft. Die klassische, schwedische
(medizinische) Massage ist ein Grundverfahren der Badekultur.
Sie stellt die Elastizität der Haut wieder her, entfernt
die in den unteren Hautschichten abgelagerten Schlacken,
verstärkt den Kreislauf der Muskulatur, steigert deren
Leistungsfähigkeit, hat eine allgemeine schmerlindernde
und beruhigende Wirkung.