Sachstücke
zeugen davon, dass das Gebiet über mehr als sieben
Jahrtausende, von der mittleren Neusteinzeit an bis
zu dem vor der Landnahme liegenden 9. Jahrhundert ständig
bewohnt gewesen ist.
Der bedeutendste Fund ist eine aus der frühen Kaiserzeit
stammende römische Villa mit Korridor mit einer Grundfläche
von fast tausend Quadratmetern, auf deren Gebiet heute
der Ruinengarten aus der Römerzeit eingerichtet worden
ist. Aus der späten Kaiserzeit stammt das ''römische
Grab '' in Egregy, ferner in der Nähe des Hévízer Sees,
der neben der Villa Margit gefundene, Jupiter geweihte
Altarstein. Aufgrund der erwähnten Funde kann vermutet
werden, dass die Römer das heilende Thermalwasser schon
kannten und dieser Fakt die Einwohner der römischen
Villen hierher gezogen hat.
Dazu wurde das Wasser des Sees für Gewerbliche Zwecke
- Flachs-, Leinen-, Lederarbeiten - verwendet. Der
Name Hévíz wurde erstmals in einer Urkunde vom 28.
März 1328 erwähnt, in der das Veszprémer Domkapitel
den Burgvogt Pál Magyar aus Gimes in seinen Besitz
namens Szentandrás - páh ins Amt eingesetzt hat.
In der Urkunde wurde der riesige Sumpf unter dem Namen
Hosszúsár [Langer Schlamm] angegeben, der von dem aus
dem See frei ablaufenden warmen Wasser gespeist worden
ist. Der Name Hévíz bedeutet den Sprachwissenschaftlern
zufolge ''Fluss, warme Quelle'' und in diesem Sinne
wurde dieser Ausdruck auch im Mittelalter verwendet. Während
der Jahrhunderte des Mittelalters sind keine Spuren davon hinterblieben, dass
das Wasser des Hévízer Sees zur Heilung verwendet worden ist. Die Möglichkeit
dafür kann jedoch nicht ausgeschlossen werden, denn die ''hévizek'' [Thermalwasser]
waren in der Türkenzeit sehr beliebt, insbesondere im Kreis der viel an Gicht
leidenden Soldaten der Grenzburgen.
Das sich im Schilf- und Riedgrasmeer des Sumpfes versteckende Thermalwasser wurde
sicher vom einfachen Volk der Umgebung zum gelegentlichen Baden benutzt.
Aus dem 17. Jh. stammende Quellen berichteten von Wasserregulierungsarbeiten
im Hévíz-Tal, in Zusammenhang mit der Errichtung von Mühlen, was auf die Nutzung
des abfließenden Wassers hinweist.
Im Laufe des 18. Jahrhunderts hat sich der Hévízer See aus der Unbekanntheit
erhoben und Ende des Jahrhunderts wurde das Bad Hévíz geboren.
Die erste wissenschaftliche Analyse und Veröffentlichung des Wassers des Hévízer
Quellensees hat SZLÁBY Ferenc, der Kreisoberarzt und Physiker des Komitats Zala
1769 durchgeführt. Gegen
Ende des Jahrhunderts wurde der Hévízer See bereits auf einzelnen Landkarten
angegeben.
Auf der ersten Erhebungslandkarte der Armee nach Art von József II. aus dem Jahr
1783 wurde der Hévízer See mit dem Vermerk ''warmer, schwefelhaltiger See'' bedacht,
die aus ihm abfließende Mühlenader wurde unter dem Namen ''Hévíz - Bach'' angegeben.
Später hat sich die Bezeichnung ''melegér'' [Warmader] des Abflusses verbreitet,
man begann den Ausdruck Hévíz nur für den See selbst anzuwenden.
Der Name Hévíz ist 178O erstmals im Druck aufgetaucht, in der deutschsprachigen
Arbeit von WINDISCH Károly Gottlieb ( ''Die Geografie des ungarischen Königreiches'').
Héviz wurde auch in dem von KORABINSZKY János Mátyás 1786 herausgegebenen ungarischen
erdgeschichtlichen Lexikon erwähnt. Der
Wert des Hévíz - Tales wurde im 18. Jh. in erster Linie von den Mühlen und der
hie und da vortrefflichen Heuernte bestimmt. Im letzten Jahrzehnt des Jahrhunderts
ist die Nutzung des Heilwassers in den Vordergrund getreten, dessen Wiederentdeckung
und der Bau des Badeortes das Verdienst von FESTETICS György ist. Die Möglichkeit
für eine bedeutendere Erweiterung wurde von der Landvermessung der Jahre 1857-58,
dann ein Jahrzehnt später durch den zwischen dem Veszprémer Bistum und Graf FESTETICS
Tasziló zustande gekommenen Tauschvertrag gewährleistet. Dank letzterem ist der
Gutsbesitzer zu einem für den Bau geeigneten Gebiet gelangt, wo er die sog. "Új-telep" [Neu-Siedlung]
ausgebaut hat. Bis 1871 wurden in der Nähe des Sees sieben Häuser gebaut. Das
1870-71 errichtete sog. "Hetes ház" [Haus Nr. 7] steht auch heute
noch.
1898 gelangten Dank LOVASSY Sándor indische Seerosen in den See. Die Blumen sind
auch heute noch Sehenswürdigkeiten von Hévíz.
Einen bedeutenden Aufschwung bekam die Entwicklung des Hévízer Sees dadurch,
dass er 1905 vom Keszthelyer Bierfabrikanten REISCHL Vencel für 35 Jahre vom
Gutsbesitzer Festetics in Pacht genommen worden ist. Der
Beginn dessen, dass die Stadt zu einem europaweit bekannten Badeort geworden
ist, kann in die Jahre vor dem ersten Weltkrieg gelegt werden. Die 35 Jahre zwischen
den beiden Kriegen ist eine der stimmungsvollsten Perioden der Badesiedlung.
Die Anzahl der Gäste hat sich rasant erhöht, immer mehr kamen aus dem Ausland.
Hévíz begann, sich unter die schicken europäischen Badeorte einzureihen. Es begannen
Bauarbeiten, aber nicht nur in der Nähe des Sees, sondern auch in der Umgebung.
In der Siedlung wurde das Gastgewerbe, das Vermieten von Zimmern immer mehr zur
Art, sich den Lebensunterhalt zu verdienen.
Mitte der neunziger Jahre wurde sie mit immer mehr Dienstleistungen, Veranstaltungen
zum Zentrum seiner Umgebung.
Hévíz ist heute nicht nur eines der bedeutenderen Badeorte Ungarns, sondern
auch Europas, "wo der Schmerz stirbt", wo alle Gäste sehr freundlich
empfangen werden, seien es ungarische oder ausländische, kranke oder gesunde,
reiche oder weniger bemittelte.